Unternehmen

„Der Kraus-Peter zwinkert“

Mistelbach im Jahr 1925: Die Straßenansichten sind geprägt von Pferdefuhrwerken und Fußgängern, die Verwendung von Strom in Haushalten ist noch kein Thema. Staubsaugen wird man erst nach dem zweiten Weltkrieg, die Abende erst ab den 1960er Jahren vor dem Fernseher verbringen. Doch das Grundprinzip des Elektromotors ist bereits seit hundert Jahren bekannt und in Mistelbach nutzte Peter Kraus als einer der ersten diese Energiequelle. Für seine Mühle in Lanzendorf schaffte er ein Elektroaggregat an, das mit der Kraft der Zaya betrieben wurde, im Winter oder wenn zuwenig Wasser vorhanden war, diente Diesel als Ersatz. Das Aggregat lieferte mehr Strom, als Peter Kraus für seine Mühle benötigte, deshalb beantragte er im Jahr 1925 eine Berechtigung für die „gewerbsmäßige Erzeugung von Elektrizität in seiner Mühle in Lanzendorf, zwecks Abgabe derselben an andere.“ Er begann mit dem Ausbau eines eigenen Freileitungsnetzes. Abnehmer fand er vor allem unter Bauern, die die neue Energiequelle zum Dreschen und Holzschneiden verwendeten. Den Strom leiteten sie über Stangen ab, die mit Klammern in die Leitung eingehängt wurden. Im Privathaushalt fand Strom eine erste Verwendung als Lichtquelle, kurze Aussetzer ließen die Abnehmer an das nervöse Augenzucken ihres Stromlieferanten denken. „Der Kraus-Peter zwinkert.“, hieß es dann.

Im Laufe der folgenden Jahre erhielten immer mehr Haushalte einen Stromanschluss, ein Bedarf an elektrisch betriebenen Geräten entstand. Peter Kraus beantragte eine Gewerbeberechtigung für den Handel mit Elektromaterialien und baute gleichzeitig im Jahr 1928 den Geschäftsbereich Hausinstallation in der Mistelbacher Bahnstraße auf. Im Jahr 1934 erweiterte Peter Kraus seinen Betrieb auf den Handel mit Radioartikeln und übersiedelte einige Jahre später das Unternehmen in die Bahnstraße 12.

Im Jahr 1949 wurde der Schwiegersohn von Peter Kraus dessen Nachfolger. Paul Nawrata erweiterte in den Jahren 1957 und 1960 das Gewerbe auf "Großhandel mit Elektrowaren, Radio- und Fernsehgeräten" sowie auf den "Handel mit Autos, Motorrädern, Fahrrädern, Nähmaschinen und deren Bestandteile, Zubehör und Bereifung". Im Jahre 1960 übernahmen Helga und Herwig Nawrata Elektrogeschäft und Installationsbetrieb und führten die Bereiche erfolgreich weiter. Die Öffnung der Ostgrenzen fällt in diese Zeit und die ersten tschechischen Kunden in Mistelbach, die nicht glauben konnten, dass die ausgestellten Waren jederzeit verfügbar sind. Vierzig Jahre später, zur Jahrtausendwende, gaben Helga und Herwig Nawrata das Unternehmen an ihren Sohn, Ing. Udo Nawrata, weiter.

Im Jahr 2002 wurde der Betrieb einem Qualitätsmanagement-Prozess unterzogen und nach der Iso-Norm 9001:2000 zertifiziert. Im selben Jahr erhielt er das EMAS-Zeichen für ein vom Bundesministerium geprüftes Umweltmanagement. Aus- und Weiterbildung sind im Betrieb ein wichtiges Thema: Von den Lehrlingen bis zum Chef werden alle Mitarbeiter laufend geschult.